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1892 - Heimschule wird zur protestantisch konfessionellen Stiftungsschule

Autor: Bert Ackermann

 

Auch die 27jährige aufopfernde Arbeit als Hausvater und Lehrer brachte Jakob Aspacher keine gerechte Altersversorgung. Er hatte als Lehrer einer Heimschule keine Pensionsberechtigung.
Erst am 22. September 1892 billigte nach vielen Eingaben die Regierung die Umwandlung der Heimschule in eine öffentliche Schule.
Der Stadtmagistrat erkannte in einem Vertrag dem Haus Marienthal zu, eine protestantisch konfessionelle Stiftungsschule zu führen.
Jetzt konnte neben den Hauseltern ein eigener Lehrer angestellt werden, weil seine Besoldung gesichert war.
(Seit 1. April 1931 besuchten die Kinder des Hauses, jetzt in Erziehungsanstalt umbenannt, die öffentlichen Schulen.)
Die Zöglinge mussten in Haus und Hof nach Kräften mitarbeiten, denn am Haus mussten auch Umbauarbeiten und Nerungen vorgenommen werden. Ein Bericht von Außenstehenden gibt daavon Zeugnis.
Vom 24. bis 27. Juni 1912 fand in Dresden der Allgemeine Fürsorge-Erziehungstag statt. Rechtzeitig zu diesem Ereignis erschien ein Buch mit wichtigen Beschreibungen und auch zwei Bildern vom Marienthal in Schweinfurt.

Deutsche Fürsorge-Erziehungs-Anstalten in Wort und Bild. Band 1+2. [2 Bd.].
Verlagsbuchhandlung Marhold Halle a. S. 1912 Leinen 721, 409 S.
Untertitel: Die Anstaltsfürsorge für körperlich, geistig, sittlich und wirtschaftlich Schwache Deutschen Reich in Wort und Bild.
Band 1 Seite 577-579 mit zwei Bildern vom damaligen Haus Marienthal:


„Den Typus einer mehr auf städtische Verhältnisse zugeschnittenen Anstalt stellt das Waisen und Rettungshaus Marienthal in Schweinfurt dar. Es verdankt seine Entstehung dem im Frühling des Jahres 1851 auf Anregung des damaligen hiesigen Gymnasialprofessors Herrn v. Jahn gegründeten Hilfsverein, welcher in Erkenntnis der bestehenden Notstände im Dezember des gleichen Jahres den Beschluss zur Errichtungeines Waisen- und Rettungshauses fasste und alsbald so rasch ins Werk setzte, dass schon am 1. April 1852 mit 13 teils verwaisten, teils der Verwahrlosung ausgesetzten Kindern in einem gemieteten Lokal der Anfang zum Rettungsbetriebe gemacht werden konnte. Da sich das Mieterlokal bald als unzureichend erwiesen, beschloss der Verwaltungsrat am 1. Februar 1853 die Erbauung eines eigenen Hauses außerhalb der Stadt. Am 9. August desselben Jahres wurde feierlich der Grundstein gelegt und am 19. Mai 1854 das neue Gebäude bezogen.

Waisen und Rettungshaus1

Waisen und Rettungshaus2

Zwei Jahre später wurde der Bau der Scheune in Angriff genommen, wieder sechs Jahre, später, im Juli 1862, die Erweiterung des Hauses durch den Anbau eines Arbeits- und Schlafsaales beschlossen und durchgeführt, endlich im Sommer des Jahres 1869 das Ökonomiegebäude um ein Stockwerk erhöht und 1892 an der Hinterseite des Wohnhauses ein Anbau für Aborte aufgeführt und damit, abgesehen von den verschiedenen baulichen Änderungen und Verbesserungen im Inneren des Wohngebäudes, die äußere Gestalt des Hauses, wie es jetzt vor Augen steht und wie es die beiden beigegebenen Bilder zeigen, vollendet.
Das Waisen- und Rettungshaus Mariental liegt an der nordwestlichen Peripherie der Stadt in dem landschaftlich schönsten Teil von Schweinfurt, im Tale des Marienbaches auf eine sich zum ehemaligen Stadtwalle hinziehenden, reichlich mit Obst- und Ziergärten bebauten Anhöhe, inmitten von zwei je ungefähr 20 Ar großen Gemüse-, Obst- und Ziergärten und besteht, wie schon erwähnt, aus einem Wohn- und Ökonomiegebäude.Letzteres ist zur Zeit außer Benutzung, da seit fünf Jahren die gesamte Ökonomie verpachtet ist, und wird jedenfalls in nächster Zeit durch Umbau und Ausstattung mit weiteren Wohnräumen und einer Schülerwerkstätte dem Anstaltsbetriebe wieder dienstbar gemacht werden. An der südlichen und westlichen Seite des Wohnhauses befinden sich zwei geräumige Spielplätze für Knaben und Mädchen.
Durch umfangreiche und tief eingreifende Umbauten im Inneren des Wohnhauses wurden im Jahre 1905 sämtliche Wohnräume für die Zöglinge vergrößert und den Forderungen der Neuzeit entsprechend eingerichtet, so das die Anstalt obschon frei von jedem Luxus und allen solchen Bequemlichkeitseinrichtungen, welche die Kinder verweichlichen und verwöhnen und Ihnen ein späteres gutes Fortkommen sehr erschweren würden, allen billigen Anforderungen entspricht und zu den am zweckmäßigsten ausgestatteten gezählt werden darf. – Die Räumlichkeiten sind durch die Unterbringung von 50 Zöglingen – 30 Knaben und 20 Mädchen – berechnet. Sämtliche Wohn- und Schlafräume des Hauses sind mit Dauerbrandöfen versehen. Die Beleuchtung der Räume erfolgt durch Leuchtgas und zwar in der Schule und im Arbeitssaale der Kinder durch indirektes Licht nach den Angaben des Herrn Professors von Eversbusch.
Badegelegenheit ist durch ein ganz neu eingerichtetes, mit allen hygienischen Verbesserungen ausgestattetes Badezimmer gesorgt.
Der gesamte Schulunterricht wird den Zöglingen im Hause in der als öffentliche Schule anerkannten Anstaltsschule nach den Bestimmungen des unterfränkischen Kreislehrplanes durch den als Hausvater angestellten Lehrer erteilt, desgleichen auch seit neuester Zeit der auf Anordnung der königlichen Kreisregierung eingeführte Handfertigkeitsunterricht.
Durch die Errichtung so vieler Anstalten zu Anfang der 50er Jahre innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit war dem Bedarf an Anstalten auf längere Zeit hinaus genügt. Darum kam es in den Jahren welche der ersten Blüteperiode unseres Rettungshauswesens nur zu vereinzelten Neugründungen aus besonderen Anlässen.“

 

Haus Marienthal gGmbH
Evangelische Kinder- Jugend und Familienhilfe Schweinfurt
Am Oberen Marienbach 7, 97421 Schweinfurt, Tel: 09721  72840, Fax: 09721 728435