Waisenhaus - protestantische Waisenhausschule - Rettungshaus - Erziehungsanstalt
1852 - Gründung und Anfänge von Haus Marienthal
Autor: Bert Ackermann
Ein langer, erfolgreicher, oft auch beschwerlicher Weg, eng verbunden mit dem sozialen Engagement Schweinfurter Bürger und den gesellschaftlichen Bedingungen der jeweiligen Zeit. Die Entwicklung im letzten Jahrzehnt ging hin zu mehr Sozialraumbezogenheit, Entwicklung flexibler ambulanter Angebote und Kooperation mit Schulen (Schulsozialarbeit, Übernahme der Trägerschaft der Schweinfurter Schülerhorte). Ein Blick zurück an die Wurzeln des Vereins wirft ein Licht auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von "Jugendhilfe" im 19. Jahrhundert, zeigt aber auch die enge Verbindung von Schule und Verein Haus Marienthal in dieser Zeit.
Jugendhilfe "back to the roots"?
Staat und Gesellschaft im Umbruch
Im Revolutionsjahr 1848 gingen die Bürger auf die Straße, König Ludwig I. musste nach der Affäre mit Lola Montez abdanken und den Thron an seinen Sohn Max II. übergeben.
Das Kommunistische Manifest erschien mit der Kampfansage: „Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben die Welt zu gewinnen.“ Und in diesem Jahr 1848 spricht Johann Hinrich Wichern auf dem Kirchentag in Wittenberg in einer Stegreifrede am Grabe Luthers im Blick auf diese Aufbrüche: „Es tut Eines not, dass die evangelische Kirche in ihrer Gesamtheit erkenne: Die Arbeit der Inneren Mission ist mein. ... Die Liebe gehört mir wie der Glaube.“
Im Sommer 1849 kam Wichern bei seiner Bayernreise auch nach Würzburg und in das benachbarte Zeilitzheim. Seine Worte rüttelten auch in Schweinfurt Gemeindeglieder wach, gegen die Not aus christlicher Verantwortung heraus zu handeln. Mit ca. 9000 Einwohnern stand die protestantische Stadt am Anfang ihrer industriellen Entwicklung.